Wilsing-Konzerte

Ludwig van Beethoven / Eduard Wilsing

Hörde International kann ab Herbst 2022 mit einem weiteren Projekt aufwarten, den Wilsing-Konzerten. Mit viel Engagement wird Gerhard Stranz die Wilsing-Konzerte im Bürgersaal in Hörde organisieren.

Den Auftakt macht ein Konzert am 22.10. unter dem Titel
„Klasse Klassik mit Beethoven (Bonn) und Wilsing (Hörde)
Musik für Alle – Musik macht Freu(n)de“

Wer war eigentlich Eduard Wilsing (1809 Hörde -1893 Berlin)? – Eine kleine Geschichte ….

Eduard Wilsing ist der wohl bedeutendste Komponist im Bereich der heutigen Stadt Dortmund, der aus Hörde stammt. Geboren im Pfarrhaus der reformierten Gemeinde in Hörde (das auf dem Schulhof des heutigen Phoenix-Gymnasiums stand) lebte er in einer Familie, in der Musik zum Leben und zum Ausdruck religiöser Überzeugung gehörte. Bereits sein Urgroßvater, Gottfried Preller, hatte mit seinem Wirken als Kantor an St. Marien nicht nur bedeutende Abschriften von Werken Johann Sebastian Bachs mit nach Dortmund gebracht, sondern auch das gesamte Musikwesen „revolutioniert“. Auf sein Wirken geht die Bildung von ersten Orchestern und die Bereitstellung von Konzertsälen zurück, so dass die kleine Ackerbaustadt Dortmund schon früh eine überregionale Bedeutung im Musikwesen erreichte.
Diese Fußstapfen wurden durch Eduards Großvater, der die Aufgaben seines Vaters übernahm, und der Mutter, einer Musiklehrerin, weiter gelegt. Eduard erlernte autodidaktisch durch die Beschäftigung mit den Bachwerken, das Komponieren und entwickelte ein so großes Talent, dass er nach der Ausbildung am Lehrerseminar in Soest als 19jähriger eine Stelle als Kantor in der wesentlich bedeutenden Stadt Wesel bekam. Er schuf bereits dort, gefördert von einem „Beethoven-Kenner“, bis zu seinem Ausscheiden und dem Wegzug nach Berlin beachtliche Werke. Begleitet von dem zu der Zeit bekanntesten Kompositionslehrer, Ludwig Berger, der auch Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy zeitgleich unterrichtete, komponierte er weitere herausragende Stücke in verschiedenen Bereichen und konzentrierte sich, nachdem er in der Befassung mit Opern nicht zufrieden war, auf geistige Werke. Dabei ragten 2 Oratorien heraus, wobei vor allem das 16stimmige Chor-Werk u.a. von Schumann als außerordentliches Meisterwerk gelobt wurde. Wilsings Hauptwerk, das über 40 Jahre geschaffene Oratorium Jesus Christus, das im Vergleich mit allen deutschsprachigen Oratorien als einziges Werk Jesus nicht als Person, sondern als „Idee“ beschreibt, konnte er erst kurz vor seinem Tod fertig stellen und wurde bisher nur einmal mit allen 3 Teilen aufgeführt. Insofern hat es noch nicht den Weg in die Aufführungspraxis gefunden.
Dass Eduard Wilsings Werk fast in Vergessenheit geriet, hängt vor allem daran, dass er selber, der zwar in allen damals maßgeblichen Zusammenhängen „zu Hause“ war und mit den bedeutenden Musikern und Veranstaltern im Kontakt stand, sich nie in den Vordergrund drängte. Diese Bescheidenheit entsprach seiner religiösen Grundhaltung und ist nicht, so wie dies in Unkenntnis der Person von Menschen, die ihn nicht kannten, unterstellt wurde, aufgrund einer krankhaften Situation zustande gekommen. Ebenso unzutreffend sind Ausführungen, die behaupten, er habe am Ende seines Lebens alle seine Werke vernichtet.
Viele Werke, auch Originalhandschriften von Partituren, Verlagsverzeichnissen mit dem Ausweis seiner Werke und auch die Veröffentlichungen von verschiedenen Werken in Einzel- und Sammelausgaben, z.B. von Liedern, liegen inzwischen auch wieder als Reproduktionen aus verschiedenen Bibliotheken und Archiven aus Europa vor. Es hätte nur aufmerksamen Arbeitens bedurft, um diese Werke zusammenzutragen und so auch den geschürten Vorurteilen zum Wesen und zur Bedeutung des Schaffens von Eduard Wilsing entgegen zu treten.
Bei aller Freude über die erreichte Übersicht zu fast 100 Werken ist aber beachtlich, dass das Werk des Hörder Komponisten erst seine Bedeutung erlangt, wenn es auch aufgeführt wird und die darin enthaltenen Stimmungen die Musizierenden und die Zuhörenden faszinieren und mit positiven Gefühlen im All-tag stärken können.
Dass das Werk auch für junge Menschen heute attraktiv ist und auch in Verbindung mit heutigen Musikrichtungen in Verbindung zu bringen ist, hat sich bereits bestätigt. Die Einbeziehung des Werks in einen Klavierwettbewerb für junge Musizierende und die bereits in Hörde erfolgten Konzerte mit Klavier- und Vokalwerken haben die Attraktivität belegt.
Mit Unterstützung des StadtbezirksMarketing Hörde, der Bezirksvertretung und in Verantwortung von Hörde International e.V. sollen in einer Reihe weitere Werke in Hörde aufgeführt werden und auch größere Werke, wie die Sinfonie, das Oratorium Jesus Christus, nach der Aufführung im Jahr 1841 eine Wieder-, bzw. Erstaufführung vor allem auch in Dortmund erleben.

Seine Bedeutung wird durch seine Musik erlebbar!

Eduard Wilsing wird gerade neu entdeckt! Die Vielschichtigkeit und Intensität seines Werkes war nie so bekannt und erlebbar wie heute. Staunen Sie mit, was der aus Hörde stammende Komponist geschaffen hat. Genießen Sie seine Musik. Erleben Sie mehr als Romantik!
Als Jugendlicher hatte er sich autodidaktisch das Komponieren angeeignet. Die von seinem Urgroßvater überlassene Sammlung von Bach-Werken war ein Fundus für den mathematisch begabten Sohn in der Familie, in der Religion, Philosophie, Musik, Lyrik und Mathematik zu Hause waren.
Als Kantor in der Hansestadt Wesel, die wesentlich bedeutsamer als Dortmund war, und anschließend in Berlin hatte er Kontakt mit bedeutenden Persönlichkeiten und war in der „musikalischen Gesellschaft“ angekommen. Dass aber sein umfangreiches und qualitativ auch z.B. von Schumann gelobtes Werk nicht besonders herausragte, lag an seiner zurückhaltenden Art, an dem Verweigern der Nutzung von „sozialen Medien“.
So geriet sein Werk fast in Vergessenheit. Fast.
Dass jetzt die Aufmerksam für das Leben und Werk des Hörders wieder wachsen konnte, liegt entscheidend daran, dass sich der Historiker und Kulturjournalist Willy Fentsch aus Dortmund um 1900 mit Eduard Wilsing befasste und mit dessen Sohn u.a. wegen der Neuherausgabe der Werke und der Realisierung von Konzerten im Austausch stand. Er schuf die erste umfangreiche Beschreibung zum Leben und Werk. Sein Wirken hatte bestimmt mit Auswirkung darauf, dass in der damaligen Neubausiedlung der Gartenstadt eine kleine Sackgasse die Bezeichnung Wilsingweg erhielt. Ein am 30.6.2022 angebrachtes Legendenschild beschreibt kurz die Bedeutung dieses Menschen.
Die Dokumentationen eines Nachkommen von Adeline Wilsing, der jüngsten Schwester von Eduard Wilsing, dem Familienforscher Hermann Hebbel, Bofzen, wurden zu einer Fundgrube zumal er u.a. in der Zusammenfassung „Die Kinder des Pastorenehepaars: Wilsing-Preller aus Hörde (Westfl.) im Jahr 1981 und Rückgriff auf viele Originaldokumente von Eduard Wilsing, die er der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz übergab, umfassende Details und Zusammenhänge aufzeigte. Auf dieses Material bezog sich auch der Dortmunder Musikwissenschaftliche Dr. Thomas Synofzik der um 100. Todestag von Eduard Wilsing in Dortmund eine Veranstaltung mit der Präsentation von Klavierwerken im Jahr 1993 realisierte. Ein Meilenstein war auch sein Vortrag im Rahmen des Schumannsymposiums 1997 zu dem Hauptwerk „De profundis“, ebenso wie das Auffinden der Partitur dieses Werkes durch Thomas Rink, einem Dortmunder Philharmoniker, in der Bibliothek Dresden. Dies dazu führte, dass dieses kolossale Werk mit Hilfe der Reinoldigilde von 300 Sänger*innen aus 4 Chören und den Dortmunder Philharmonikern 2016 im Konzerthaus aufgeführt wurde. In diesem Zusammenhang waren die Dokumentationsarbeiten des Hörder Heimatvereins, die im Jahr 2009 zum 200. Geburtstag zu einer Veröffentlichung führten, ein Baustein.
Mit den Arbeiten an der Sammlung und Neuherausgabe des gesamten Klavierwerks rückten andere Werkbereiche ins Blickfeld, so dass sich aus der Kontaktnahme zu den Archiven an den Wirkungsstätten von Eduard Wilsing Ansatzpunkte für Nachforschungen u.a. in Wesel, Brüssel, Leipzig, Bonn, München, Gdansk, Berlin, Braunschweig, Werningerode, London und Dortmund ergaben.
Dabei wurden nicht nur viele eigenständige Werke von Eduard Wilsing entdeckt und durch Reproduktionen wieder zugänglich, sondern auch Bearbeitungen von Kompositionen von Beethoven, Händel, Bach, Mozart, Gluck, mit denen er dazu beigetragen hatte, dass deren Werke „populär“ werden konnten.
Damit hat Eduard Wilsing Musik „für Alle“ geschaffen. So ist sein gesamtes Werk heute von Bedeutung für die gesamte Musikwelt – alle Menschen.
Diese Erlebnismöglichkeit soll mit der Reihe in Hörde geschaffen werden, zumal Musik nur lebt, wenn Sie auch gespielt und erlebt werden kann.
Gerhard Stranz, der die in den letzten Monaten geleistete Arbeit wie einen Krimi erlebt hat, bei dem sich immer wieder neue Türen geöffnet haben, von denen er zunächst nicht wusste, wohin der Weg führt, freut sich, dass das jetzt vor allem mit dem Anschub durch die Bezirksvertretung und die Übernahme der Trägerschaft durch Hörde International e.V. möglich wird.

Video-Links

Fabian Tavernise spielt – Daniel Friedrich Eduard Wilsing – Sonate Nr. 1 f-moll – I. und II. Satz https://youtu.be/tBLQ47-eKmM
Diana Graf spielt Daniel Friedrich Eduard Wilsing –- Fantasia fis-Moll, op. 10 https://youtu.be/9vYCuZ_bm8E
Fabian Tavernise: Improvisation Wilsing Phantom der Oper https://youtu.be/B-RKLK2jK78
Gina Alter: Das Lied vom Schmetterling https://youtu.be/FiYZ-iu7kGI